| Von Bruno Ulrich und Lisa Viertel (02.12.2005)
Der erste Monat unseres Senegalaufenthaltes diente in erster Linie dazu, unser Projekt zu strukturieren und in die Wege zu leiten.
Wir haben unsere Arbeit in zwei Teile aufgeteilt. In einem ersten Teil geht es darum, einen Überblick über die vorhandene Recycling- und Wiederverwertungsstruktur im Land
zu bekommen (Thema A). Zurzeit werden schon einige Materialien in den Produktionskreislauf zurückgeführt. Dies geschieht jedoch hauptsächlich durch kleine informelle
Betriebe oder sogar durch autonome Einzelhändler. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Aluminium gesammelt und in kleinen Werkstätten zu Kochtöpfen verarbeitet wird,
dass leere Getränkeflaschen aus Glas gesammelt, gereinigt und wieder zur Getränke- und Konfitüreherstellung weiterverkauft werden, oder dass es eine Firma
in Thiès (eine Stadt östlich von Dakar) gibt, die PP- und PE-Granulat aus alten Plastiktüten herstellt.
Im zweiten Teil unseres Projektes analysieren wir die IST-Situation in einem Vorortviertel von Dakar (Thema B). Konkret analysieren wir unter anderem die Probleme
der Arbeitssicherheit und der Abfallbeseitigung von verschiedenen, ausgewählten Berufsgruppen von Parcelles-Assainies. Hierzu werden wir die Ateliers
der jeweiligen Handwerker besuchen und eine Befragung anhand eines Fragebogens durchführen. Die Befragung wird von der UAPA (Union des Artisans de Parcelles-Assainies)
und der RPA/UAPA (Résaux des Femmes de l’UAPA) begleitet, welche bei der Erarbeitung des Fragebogens mithelfen und bei den Kontakten zu den jeweiligen Handwerkern
behilflich sind. Das Ziel unseres Projektes ist schlussendlich, die Abfall- und Recyclingsituation aus beiden Themen besser zu strukturieren, einfache Lösungsansätze vorzuschlagen
und die Arbeitsgrundlage für spätere Projekte in diesem Bereich zu etablieren.
Thema A - Recyclingstruktur in Senegal
In den ersten Wochen des Praktikums waren wir in diesem Bereich hauptsächlich damit beschäftigt, aus Quellen wie Internet, Telefonbüchern aber auch mit Hilfe der Botschaften,
Informationen bezüglich der bestehenden Firmen und Organisationen im Recyclingbereich zu bekommen. Es hat sich als sehr schwierig erwiesen, solche Firmen auszumachen,
da sie scheinbar oft sehr klein und daher nicht im Internet resp. im Telefonbuch aufgeführt werden. Als einen Ausgangspunkt für eventuell weitere Informationen haben wir die
Mülldeponie in Mbeubeuss besichtigt, die seit den 70er Jahren besteht und den gesamten Abfall der Region Dakar aufnimmt. Genaue und aktuelle Daten zur Deponie konnten
wir vor Ort nicht erhalten, da die Deponie von der Agence pour la propreté de Dakar (APRODAK - Agentur für die Sauberkeit Dakars) verwaltet wird und diese zwar einen
Mitarbeiter als Kontrollperson vor Ort hat, nicht aber den Sitz der Agentur.
Die Deponie ist eine Ansammlung von Unmengen von Abfall unter freiem Himmel. An manchen Stellen schwelen Feuer, angeblich durch die Hitzeentwicklung der sich
zersetzenden Abfälle entstanden. Für die Müllabfuhr in Dakar ist die Firma AMA Senegal zuständig, jedoch auch jedes andere Fahrzeug kann beliebigen Abfall gegen Bezahlung
auf der Deponie abladen. So kommen hier Abfälle aus dem Haushalt, der Industrie, Krankenhäusern, von Baustellen etc. zusammen.
Einen weiteren Einblick in die Recyclingstruktur haben wir in einem kleinen "Dorf" direkt neben der Müllhalde erhalten. Dort wohnen und arbeiten die "Recupérateure"
(Wiederverwerter), welche die Deponie nach brauchbarem Material absuchen und dieses anschliessend weiterverkaufen. So werden Metallreste, Plastikwaren (hauptsächlich
Eimer und Wannen), Konservendosen, noch intakte Glasbehälter wie Flaschen, Essensreste, Schuhe, Taschen, Stoffreste, aber auch Holzkisten und Gehäuse von Fernsehern
gesammelt. Die Taschen, Schuhe und Stoffe werden gewaschen und so weit wieder hergerichtet, dass sie auf den Märkten verkauft werden können, die Essensreste werden
an die Tiere verfüttert und die Flaschen weiterverkauft an Frauen, die Säfte herstellen.
Was die Weiterverwendung des Metalls und der Konservendosen angeht, konnten wir die Namen zweier Firmen erfahren, die über Mittelsmänner das Material einkaufen lassen
und es dann verarbeiten. In welcher Weise und welches Material genau dort verarbeitet wird, werden wir bei einem Besuch der jeweiligen Firmen herausfinden müssen. Weitere
Informationen konnten wir hier nicht bekommen, da die Mittelsmänner der Firmen, wenn sie denn überhaupt direkt von den Firmen kommen, in sehr unregelmässigen Abständen
das Material einkaufen, und das Interesse der Verkäufer nicht so weit geht, zu wissen, wer genau ihre Ware kauft und warum. Nebst dem Besuch von Mbeubeuss haben wir
bisweilen noch keine weiteren Unternehmen besucht. Die Fülle von Adressen und Daten, welche wir in dieser ersten Zeit sammeln konnten, ermöglicht es uns jedoch, in der
Folge des Projektes weitere Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und andere Institutionen zu kontaktieren und zu besuchen.
Thema B - Abfallprobleme anhand des konkreten Beispiels von Parcelles-Assainies
Um Informationen zu erlangen, die diesen Teil des Projektes betreffen, sind wir noch viel stärker auf Kontaktpersonen angewiesen, da sich hier fast alle Akteure und Tätigkeiten
im informellen Bereich befinden. Das Arbeitsthema B kann in drei Teile unterteilt werden. So möchten wir in einem ersten Teil einen generellen Überblick über die Situation der
Abfallbeseitigung in Parcelle-Assainies erhalten. Weiter werden wir die Sammel- und Recyclingstruktur in diesem Viertel so weit als möglich untersuchen und schlussendlich
konzentrieren wir uns dann auf die konkreten Probleme, mit welchen sich die Handwerker in den Bereichen Umwelt, Abfall und Arbeitssicherheit auseinandersetzen müssen.
Die gesammelten Informationen der beiden ersten Unterbereiche sind vorerst genereller Natur. So sammelten wir bisweilen Eindrücke in diesem Bereich, indem wir durch das
Viertel liefen und uns so ein Bild davon gemacht haben. Weiter knüpften wir erste Kontakte mit der ANFD
(Association Nationale des Femmes pour le Developpement), welche diverse Recyclingprojekte aufgebaut haben. Für den letzten Unterbereich des Arbeitsthema B arbeiten
wir eng mit der UAPA zusammen. Die Zusammenarbeit mit der UAPA, welche über 400 Mitglieder aus vielen verschieden Berufsgruppen hat, ist insofern sinnvoll, da diese
Organisation die lokalen Probleme und Strukturen besser kennt als wir und als Dachorganisation der Handwerksbetriebe die für uns notwendigen Kontakte knüpfen kann.
Während 2 Wochen mussten wir jedoch auf ein Zusammentreffen der Personen warten, was unser Projekt zuerst ein bisschen verzögert hat.
In der Zwischenzeit haben wir einen Fragebogen für die Betriebe entwickelt, der uns ermöglichen soll, die Menge und Art der anfallenden Abfälle sowie die Situation von
Umwelt- und Gesundheitsbelastung und Arbeitssicherheit bestimmter Berufsgruppen einzuschätzen. Es erwies sich als schwierig, den Fragebogen an die hiesigen Verhältnisse
anzupassen, ohne diese zu kennen, da ja noch kein Kontakt zu den Betrieben möglich war. Von bereits durchgeführten Studien zu ähnlichen Themen ist uns bekannt, dass
es sehr wichtig ist darauf zu achten, wie die Fragen gestellt werden, da man sonst riskiert, aus Höflichkeit oder Unwissen seitens der Befragten Antworten zu erhalten, die nicht
der Realität entsprechen.
Mittlerweile ist der Kontakt zu der Dachorganisation der Handwerksbetriebe in Parcelles-Assainies (UAPA) zustande gekommen und nachdem wir unser Projekt vorgestellt hatten,
wurde ein Komitee gegründet, welches uns bei unserer Arbeit in Sachen Kontakte unterstützt. Zusammen mit dieser Arbeitsgruppe haben wir die Berufsgruppen, welche wir
befragen möchten, bestimmt, und auch den Fragebogen überarbeitet. Wir werden in einer ersten Phase die Färber, die Metallverarbeitenden Betriebe, einen Aluschmelzbetrieb,
Künstler und evt. Händler befragen. Nachdem wir uns zusammen mit Leuten aus dem Komitee bei den Handwerkern vorgestellt haben, können wir nun in einem nächsten
Schritt unabhängig vom Komitee dem Befragen widmen.
Fazit
Nachdem wir uns im ersten Monat hauptsächlich der Informationsbeschaffung und dem Kontakte knüpfen gewidmet haben, sollte unser Projekt in der Folge konkretere
Formen annehmen. In den kommenden Wochen werden wir uns hauptsächlich mit den Befragungen beschäftigen und versuchen, Interessante Unternehmen,
Nichtregierungsorganisationen oder andere Institutionen zu besuchen. Inshallah!
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