Bildungsprojekt: Spielerisches Lernen

Zwei Düsseldorfer Studentinnen führen Projekt in Sitio Camolinas auf Mactan Island durch.

   

Nach einem 24-stündigen Flug von Frankfurt nach Cebu City, Philippinen, sind wir, Tina Göke (25) und Edith Kapper (30), vom philippinischen Partner von justiceF, JPIC-IDC, und Father Theodore D. Murnane (Director, Office of International Linkages, University of San Carlos) am Flughafen in Empfang genommen worden. Am 27. September begann somit unser dreimonatiger Aufenthalt auf Mactan Island, welcher im Rahmen unserer Diplomarbeiten stattfindet. Wir sind Studentinnen der Sozial- und Kulturwissenschaften an der Fachhochschule Düsseldorf. Tinas Schwerpunkt liegt u. a. im Bereich Medienkompetenz mit theaterpädagogischem Inhalt. Edith hat mehrere Jahre als Erzieherin gearbeitet. Ihr Schwerpunkt im Studium ist u. a. die systemische Familienberatung.

Unsere Arbeit auf den Philippinen findet in Cordova, einem kleinen Fischerdorf auf Mactan Island statt. Das dortige housing-project wird durch justiceF co-finanziert. Wir arbeiten innerhalb der Woche mit Kindergartenkindern, welche im Alter von 5 bis 6 Jahren sind. Unsere Arbeit findet dort auf einem öffentlichen Platz statt, der auch als "Treffpunkt" des gesamten Dorfes dient.

Bereits an unserem ersten Arbeitstag sind wir dort von den Dorfbewohnern, insbesondere den Müttern, herzlich empfangen worden. Einige der Mütter besuchen und beobachten uns regelmäßig bei unserer Arbeit. Dies stellt eine gute Möglichkeit für uns dar, ihnen zu zeigen, wie sie aus einfachen und sehr kostengünstigen Mitteln Spielmaterialien herstellen können. Gleichzeitig können sie beobachten und wir ihnen erläutern, wie ihre Kinder durch unterschiedliche Materialien grundlegende Fähigkeiten wie z.B. Konzentration üben können.

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Bereits nach kurzer Zeit konnten wir feststellen, dass einige der Kinder unterschiedliche Defizite aufweisen. So z.B. Boyet, der mit sechs Jahren noch nicht die Möglichkeit hatte, den Umgang mit einer Schere zu erlernen. Die Mehrheit der Kinder hat große Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und sich selbstständig mit einem Spielmaterial zu befassen. Daraufhin haben wir mit ihnen ein Memoryspiel gebastelt, womit die Kinder sehr viel Spaß haben.

Zudem haben wir mit jedem Kind ein Puzzle hergestellt, das sie anschließend mit nach Hause nehmen konnten und sich je nach Lust und Laune damit beschäftigen können. Für diese Kinder war es so besonders, etwas für sich zu haben, dass sich die "Puzzleaktion" wie ein Lauffeuer herumsprach und bereits am nächsten Tag das Dreifache an Kindern vor Ort war, mit denen wir dann ebenfalls ein Puzzle gebastelt haben. In den kommenden Wochen möchten wir mit den Kindern weitere Lern- und Spielmaterialien herstellen, von denen einige aus der Montessoripädagogik stammen.

An den Wochenenden, an denen wir mit den Grundschulkindern arbeiten, steht uns ein Raum in der nah gelegenen Schule zur Verfügung. Die Kinder haben wir in zwei Gruppen aufgeteilt, in denen an unterschiedlichen Projekten gearbeitet wird. Ein Projekt besteht aus dem Schwerpunkt "Tanz und Theater". Dabei werden von den Kindern zunächst Masken gebastelt und anschließend wird auf ein kleines Tanz- und Theaterstück hingearbeitet, wobei die Kinder ihre eigenen Ideen umsetzen sollen und der Spaß an der Sache im Vordergrund steht.

Das zweite Projekt befasst sich mit den Kindern, die Probleme im mathematischen Bereich aufweisen. Dabei werden Materialien aus der Montessoripädagogik hergestellt. Mit den Kindern werden ebenfalls Übungen und Spiele durchgeführt, die dazu beitragen, dass sie Mathematik besser begreifen und nachvollziehen können. Das Ziel ist es, dass die Kinder Materialien zur Verfügung haben, mit denen sie selbstständig arbeiten und die sie als Hilfestellung für ihre Hausarbeiten benutzen können.

Die Arbeit mit den Kindern bereitet uns jede Menge Spaß. Jeder Arbeitstag ist anders und auf seine Art und Weise spannend. Diese Kinder sind sehr neu- und wissbegierig und freuen sich jeden Tag aufs Neue über unsere Materialien und Projekte. Die Atmosphäre hier ist sehr lebendig und fröhlich. Die Kinder lachen und tanzen viel und wir werden mit schwerem Herzen nach Deutschland zurückfliegen. Die Arbeit und auch das Leben hier sind eine großartige Erfahrung und werden uns ganz sicher auf unserem weiteren Weg sehr prägen.

Tina Göke, Edith Kapper (Nov. 2006)